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Wie entsteht ein Gemeindewappen?
Wolfgang Bentin kennt sich mit den strengen Regeln für die Entwürfe aus

Wolfgang Bentin aus Kastorf hat ein ungewöhnliches Hobby: Er ist Heraldiker. Die Wenigsten wissen auf Anhieb, was das ist. Heraldiker entwerfen Gemeindewappen. Und das ist viel komplizierter, als man denkt.
Meist entsteht der Wunsch nach einem eigenen Wappen in der Bevölkerung des Ortes. Die Idee wird dann diskutiert und landet irgendwann auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Wird positiv darüber entschieden, stellt sich gleich die Frage nach den Kosten.
So war es vor zehn Jahren auch in Kastorf, dem Heimatdorf von Wolfgang Bentin, in dem er damals stellvertretender Bürgermeister war. Als er die teuren Angebote der Profi-Heraldiker sah, beschloss er, den Entwurf für das Wappen selbst zu machen. Als Vertrauensmann für Kulturdenkmale des Archäologischen Landesamts hatte er als Hobby-Historiker dafür schon gewisse Grundkenntnisse. Er kannte natürlich die Geschichte seines Ortes und wusste, welche Symbole er für ein Wappen verwenden darf, denn dafür gibt es konkrete Vorschriften.
So lautet die amtliche Beschreibung seines Gemeindewappens für Kastorf: „Über einem abgeflachten silbernen Dreiberg von Rot und Grün geteilt durch einen sich nach oben verjüngenden Schrägbalken, dieser oben von einem gegenläufigen kurzen schwebenden silbernen Balken gekreuzt. Oben eine silberne Pferdegruppe, unten ein silberner Pflug.“ Die Bedeutung der Symbole erklärte sich folgendermaßen: Die Namensgeberin von Kastorf ist die Christianshöhe, die durch den Dreiberg dargestellt ist, der Schrägbalken stellt den alten Handelsweg von Hamburg nach Lübeck dar, der durch Kastorf verlief, der kleine Querbalken steht für die damalige Zollstelle und der Pflug für den bäuerlichen Ursprung. Die Pferde waren schon Bestandteil eines alten Gemeindesiegels, das nach dem zweiten Weltkrieg verwendet wurde.
Selbst für Farben, die in Wappen verwendet werden, gibt es strikte Regeln. Es dürfen nur rot, grün, blau und schwarz sowie die Metalle Gold (im Wappen gelb dargestellt) und Silber (im Wappen weiß) verwendet werden. Dabei darf sich eine Farbe immer nur mit einem Metall abwechseln.
Inzwischen hat Wolfgang Bentin einen Namen als Heraldiker und gilt hier im Herzogtum Lauenburg als Spezialist. Er hat in unserem Amtsbezirk die Gemeindewappen für Groß Boden, Lüchow, Schürensöhlen und Sierksfelde sowie für das Amt Sandesneben-Nusse entwickelt. Außerdem stammen die Wappen der Gemeinden Dahmker, Göldenitz, Groß Pampau, Harmsdorf, Kankelau, Kasseburg, Kastorf, Kittlitz, Klempau, Niendorf bei Berkenthin, Sahms, Schmilau und Sterley von ihm. Einige weitere sind noch in Arbeit.
Für sein Hobby kommt ihm die Erfahrung als Vertrauensmann für Archäologie ebenso zu Gute, wie seine Tätigkeit als Archivar der Ämter Sandesneben-Nusse und Berkenthin. Durch seine Ordnungsliebe und Sammelleidenschaft verfügt er mittlerweile über mehr als 300 Dorfchroniken, über Werke zur Topographie des Herzogtums, alte Adressbücher, Lauenburger Heimathefte und eine ganze Menge weitere spezieller Literatur zur Geschichte unserer Region.
rpf